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08.02.2013 Valparaíso / Viña del Mar

Unser heutiges Ausflugsziel lautet Valparaíso. Die Hafenstadt liegt etwa eineinhalb Stunden Autofahrt von Santiago entfernt und ist mit ihren pittoresken buntzusammengewürfelten Häuschen als Weltkulturerbe bekannt. Dank meiner Schwiegermutter, die ihren lang ersehnten Omatag eingelegt hat, sind wir heute völlig flexibel ohne Kind unterwegs. In Valparaiso angekommen, spazieren wir auf der Suche nach einem Kaffee erst mal über die Plaza de la Victoria, neben der sich das chilenische Kongress sowie die Kathedrale der Stadt befinden. Nachdem wir uns in einem urigen Kaffeechen an der Plaza einen „Cortado“ kredenzen lassen (Cortado heißt übersetzt „geschnittener Kaffee “ und wird aus einem Espresso und heißer, aufgeschäumter Milch zubereitet), steigen wir in einen der vielen bunten Busse, einer „Micro“, ein (jede Linie hat eine andere Farbe – ähnlich verhält es sich mit den farbenfrohen Häusern) und fahren über die Küstenhänge zu “La Sebastiana”, eines der Häuser des Dichters Pablo Neruda. Der Ausblick auf den Pazifik und auf die unzähligen Hügel der Stadt ist malerisch – allein durch die Sicht versteht man, woher der Dichter seine Inspiration hernahm um den Literaturnobelpreis zu erhalten (wobei seine vielen Musen auch erhebliches beigetragen haben sollen). Das kleine Museum ist leider hoffnungslos überfüllt mit wissensdurstigen Touristen, so dass wir beschließen, ohne Kulturrundgang durch das Neruda-Haus weiterzuziehen. Wir schlendern in der lauschigen Morgensonne durch die charmanten bunten Straßen und verwinkelten Gassen, laufen Treppen hoch und runter, bestaunen die Wandmalereien, lesen die an den Hauswänden angebrachten Dichterversen und phantasieren über die kleinen Ferien- und Alterszeithäuschen, die wir uns irgendwann mal kaufen werden. Vor uns erstreckt sich in voller Pracht der Pazifik. Die riesen Frachtschiffe aus dem Hafen schieben sich gemütlich über den Horizont, hier oben scheint das Hafengewusel ganz weit weg.

Wie ich mir erzählen lasse, gilt Valparaíso nicht ohne Grund bis heute als kultureller Mittelpunkt des Landes: Dichter, Musiker, Künstler, viele Studenten und Schriftsteller geben der Kulisse einen alternativen Charakter. Nach der Unabhängigkeit von den Spaniern wurde Valparaíso zu einem strategischen Hafen für den Handel zwischen Pazifik und Atlantik. Franzosen, Deutsche, Italiener und Engländer ließen sich hier nieder, was sich nicht zuletzt auch im architektonischen Reichtum der Stadt widerspiegelt. Bekannt ist Valparaíso ebenso für die urtypischen Seilaufzüge, die in einer solch hügelreichen Stadt sehr wichtig und praktisch sind. Leider haben wir aber auch hier wieder Pech und können die Seilbahnen wegen „mantención“ nicht selbst ausprobieren. Nachdem wir uns am Hafen mit einem Mittagessen stärken, geht es im Bus weiter in die nächstgelegene Stadt Viña del Mar, einem beliebten Badeort, der deutlich “exklusiver” als Valparaíso ist. Obwohl es auch dort einige Sehenswürdigkeiten gibt, ziehen wir es auf Grund der Hitze vor, direkt an den Strand “Las Salinas” zu fahren. Die Wellen des Pazifiks sind an der chilenischen Küste fast erschreckend hoch und können einen problemlos umhauen – etwas was auch ich sehr schnell lernen durfte! Hat man den Dreh raus und schafft es von der Welle hochgehievt zu werden, macht es aber wirklich Spaß. Bemerkung am Rande: Etwas, wofür sich Chile leider nicht auszeichnet, ist die Liebe zu den Tieren. Gerade Straßenhunde gibt es viele und sind diese verwundet, wie unser Freund, der sich uns am Strand genähert hat und ein Stück Draht an der Pfote hatte, haben sie keine Chance. Auf den Weg zurück nach Santiago halten wir mitten auf der Autobahn in eines von mehreren Rasthöfen für Lastwagenfahrer an und bekommen dort ein reichhaltiges Abendbrot. Mit der Küstenkordillere bei Sonnenuntergang als Kulisse ist dies der krönende Abschluss eines unvergesslichen Tages.

 

 

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